Manuelle Therapie
In der Physiotherapie bezeichnet der Begriff Manuelle Therapie (MT) eine spezialisierte Form der Behandlung, bei der Funktionsstörungen des Bewegungsapparates – insbesondere der Gelenke, Muskeln und Nerven – mithilfe spezieller Handgrifftechniken untersucht und behandelt werden. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, Beweglichkeit zu verbessern und Funktionsstörungen zu beheben.
Methoden und Schulen der Manuellen Therapie
1. Maitland-Konzept (australisch)
- Kombination aus klinischem Denken (Clinical Reasoning) und manuellen Techniken.
- Symptomatische und mechanische Problemdifferenzierung.
- Gelenkmobilisationen in Graden (I–V) mit Patientenrückmeldung.
- Techniken: Passive Mobilisation, rhythmische Gleitbewegungen, Provokationstests.
2. Kaltenborn-Evjenth-Konzept (nordisch)
- Fokus auf biomechanisch orientierte, gelenkspezifische Mobilisation.
- Translatorische Gelenkbewegungen (z. B. Traktion, Gleiten).
- Trennung zwischen Untersuchung und Behandlung.
- Techniken: Gelenkmobilisation, muskuläre Stabilisation, passive Dehnungen.
3. McKenzie-Konzept
- Betonung aktiver Eigenübungen statt passiver Techniken.
- Patienten sollen Beschwerden selbst durch gezielte Bewegungen beeinflussen.
- Besonders bei Wirbelsäulenbeschwerden geeignet.
- Techniken: Bewegungsrichtungstests, Wiederholungsübungen, Selbstmobilisation.
4. Butler / NOI-Konzept – Neurodynamik
- Behandlung von nervalen Mobilitätsstörungen (Neurodynamik).
- Verbesserung der Gleitfähigkeit von Nerven.
- Indikation bei ausstrahlenden Schmerzen, Kribbeln, Nervenengpässen.
- Techniken: Nervenmobilisationen (Sliders, Tensioners), Sensibilisierungstests.
Anwendungsgebiete
Die Manuelle Therapie wird bei zahlreichen Beschwerden eingesetzt:
- Wirbelsäulenbeschwerden (z. B. Blockaden, Bandscheibenvorfälle)
- Gelenkprobleme (z. B. Schultersteife, Arthrose, Instabilitäten)
- Muskel- und Sehnenprobleme (z. B. Tennis- und Golferellenbogen, myofasziale Schmerzen)
- Nervenprobleme (z. B. Ischialgie, Karpaltunnelsyndrom)
- Kiefergelenksdysfunktionen (CMD)